WM am Schweizer Fernsehen | Ex-Basel- und -Nationalspieler Benjamin Huggel hat den Seitenwechsel vollzogen

Huggel – vom WM-Teilnehmer zum WM-Experten im TV

Neue Rolle. Benjamin Huggel (rechts), hier im Live-Gespräch mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic, blickt auch auf eine Vergangenheit als WM-Spieler zurück.
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Neue Rolle. Benjamin Huggel (rechts), hier im Live-Gespräch mit Nationaltrainer Vladimir Petkovic, blickt auch auf eine Vergangenheit als WM-Spieler zurück.
Foto: zvg

Quelle: WB 13.06.18 0
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Benjamin Huggel nahm als Spieler mit der Schweiz an der WM 2010 in Südafrika teil. Acht Jahre später wird der 41-fache Internationale in Russland die WM-Auftritte seiner Nachfolger in der SFV-Auswahl als Experte von Schweizer Radio und Fernsehen SRF analysieren.

Kompetent und souverän analysiert Huggel seit 2012 Fussballspiele für das SRF, erklärt dem TV-Publikum anhand eines Analyse-Tools einzelne Spielsituationen, gibt Einschätzungen oder klärt den Zuschauer über taktische Kniffe auf. Seit Beginn dieses Jahres begleitet der 40-Jährige aus Münchenstein als Nachfolger von Raphael Wicky und Alain Sutter die Schweizer Nationalmannschaft als SRF-Experte hautnah. An der WM in Russland wird er die Geschehnisse rund um die Mannschaft von Vladimir Petkovic in den Stadien und im SFV-Camp in Togliatti unter die Lupe nehmen.

«Die WM-Teilnahme als Spieler war die Erfüllung eines Bubentraums, aber auch die Teilnahme als TV-Experte ist etwas Besonderes»
Benjamin Huggel

«Die WM-Teilnahme als Spieler war die Erfüllung eines Bubentraums», so Huggel. «Aber auch die Teilnahme als TV-Experte ist etwas Besonderes.» Mit Recherchen, Videoanalysen und dem Verfolgen des Fussballgeschehens bereitet sich der ehemalige Mittelfeldspieler auf seine Einsätze vor der Kamera vor. Huggel macht sich Gedanken über mögliche Aufstellungen, überlegt sich Szenarien, die eintreffen könnten. «Es braucht sehr viel Vorbereitungszeit, das unterschätzen die Leute oft.»

Mit den Schweizer Leistungsträgern Yann Sommer, Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri hat Huggel gegen Ende seiner Karriere im FC Basel noch zusammengespielt, mit ihnen hält er auch heute noch gelegentlich Kontakt, unmittelbar vor der WM lässt er seine ehemaligen Teamkollegen aber in Ruhe. «Ich will sie nicht in eine Situation bringen, in der sie nicht genau wissen, was sie sagen dürfen.» Der Baselbieter scheut sich aber nicht, gegenüber seinen Ex-Kollegen auch einmal ein kritisches Wort zu verlieren. «Es geht immer um die Art und Weise, wie man etwas sagt.»

Auch weiche Faktoren entscheiden

Wie mit Kritik umzugehen, weiss Benjamin Huggel aus seiner Zeit als Fussballer, das Leben eines Profis kennt er aus dem Effeff. Die Erfahrung von Südafrika hilft ihm, die Geschehnisse der nächsten Wochen in Russland einzuordnen, dem TV-Publikum einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Nicht allein die fussballerische Qualität oder das taktische Spielsystem entscheiden an einer Endrunde über Erfolg und Misserfolg, auch weiche Faktoren spielen eine wichtige Rolle. Ist die Organisation im Camp gut? Klappen die Transfers? Oder wird unnötig Energie verpufft?

Huggel weiss, dass sich solche Turniere in die Länge ziehen. «Die Teams werden abgeschottet, die Spieler sind eingepfercht, haben in ihren Camps kaum Ablenkung, es gibt wenig zu tun.» Gerade für Spieler, die nicht zur Stammformation gehören, sei die Situation nicht immer einfach. «Sie wissen, dass ihre Klubkollegen gleichzeitig in den Ferien sind und dass sie bei ihren Klubs verspätet in die Vorbereitung einsteigen werden.» Schafft es die Gruppe, fokussiert zu bleiben und alle einzubeziehen, damit kein Lagerkoller aufkommt? «Auch dieser Faktor ist nicht zu unterschätzen», so Huggel.

Achtelfinal-Qualifikation als Erwartung

Als erste Favoriten auf den Titel in Russland sieht Huggel Spanien und Titelverteidiger Deutschland. «Brasilien lebt für mich zu sehr von seiner individuellen Klasse in der Offensive, Argentinien ist schwierig einzuschätzen.» Was die fussballerische Qualität der WM anbetrifft, erwartet er keine neuen, «bahnbrechenden» Entwicklungen. «Die Trends werden sich verstärken.» Huggel sieht jene Teams vorne, die als Mannschaft am besten wissen, was in den verschiedenen Phasen eines Spiels zu tun ist. «Eine gute Mannschaft steht heute nicht mehr nur für einen Spielstil.»

Dem Team von Vladimir Petkovic traut Huggel einiges zu: «Das Überstehen der Gruppenphase ist meine Hoffnung, aber auch meine Erwartung.» Was in einer allfälligen K.-o.-Phase möglich ist, sei schwierig abzuschätzen, eine Viertelfinal-Qualifikation nicht planbar. «Aber ich hoffe, dass sich die Mannschaft wie die Eishockey-Nati im Lauf des Turniers steigern kann.»

«Das Überstehen der Gruppe sind Hoffnung und Erwartung von mir. Ich hoffe, dass sich das Team wie die Eishockey-Nati im Lauf des Turniers steigern kann»
Benjamin Huggel

Dass die Schweiz an einer WM teilnimmt, ist für Huggel nach wie vor keine Selbstverständlichkeit, auch wenn dies bereits die vierte WM-Endrunde in Folge für die SFV-Auswahl ist. «Andere Nationen mit viel grösserer Fussball-Tradition als die Schweiz beneiden uns in diesem Sommer.»

Elf SRF-Experten, darunter auch Martin Schmidt

Das Schweizer Radio und Fernsehen überträgt alle 64 Spiele der WM in Russland live. Neben Benjamin Huggel, der im Schweizer Camp die Leistungen der Nationalmannschaft zusammen mit Moderator Rainer Maria Salzgeber analysieren wird, stehen diverse weitere Experten im Einsatz.

Neben Gürkan Sermeter, Peter Knäbel, Mario Eggimann und Andy Egli, welche die TV-Zuschauer von den Super-League- und Europacup-Übertragungen kennen, zählt das SRF während der WM auch auf Winfried Schäfer, Martin Schmidt, Diego Benaglio, Ratinho und Lutz Pfannenstiel. Schiedsrichter-Experte ist Sascha Amhof, für Radio SRF3 tritt Kathrin Lehmann als Expertin auf. Das trimediale Programm wird durch politische, wirtschaftliche und kulturelle Reportagen des SRF-Korrespondenten Christof Franzen und dessen Nachfolgerin Luzia Tschirky ergänzt. Ein von Tom Gisler moderierter Talk «Letschti Rundi» schliesst das Tagesgeschehen ab.

Marcel Koller im ORF, Urs Meier im ZDF

Beim ORF steht mit dem ehemaligen österreichischen Nationaltrainer Marcel Koller ein Schweizer als Experte im Einsatz. Urs Meier wird wie gewohnt beim ZDF seine Optik als ehemaliger Schiedsrichter einfliessen lassen. Das ZDF und die ARD werden aus Kostengründen den Grossteil ihrer Berichterstattung aus Baden-Baden senden, zu den Experten zählen neben Meier unter anderen auch Oliver Kahn und Christoph Kramer (beide ZDF) sowie Philipp Lahm, Stefan Kuntz und Thomas Hitzlsperger (alle ARD). Dass die drei ehemaligen deutschen Internationalen bei der ARD als Experten auftreten, sorgte für Kritik, sind doch alle drei beim Deutschen Fussball-Bund beschäftigt.

sda
13. Juni 2018, 00:00
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