Standpunkt | Von Walter Bellwald

Von Mohrenköpfen und Schaumküssen…

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Es gibt sie mittlerweile in verschiedenen Farben und Formen. Grosse, kleine, braune, weisse, mit Streuseln, Punkten oder Flocken. Sie alle haben etwas gemeinsam: Sie sind süss, mit Schokolade überzogen und einem luftig-gezuckerten Eiweissschaum. Die Rede ist von Mohrenköpfen, einer süssen Versuchung, der nur wenige widerstehen können.

Nun findet man den «Mohrenkopf» nicht nur als Nascherei in Verkaufsregalen, sondern auch als Namensgeber von Fasnachtscliquen oder Restaurants. In Zürich beispielsweise gibt es ein Restaurant mit eben diesem Namen. Das Haus zum Mohrentanz steht seit bald 200 Jahren im Zürcher Niederdorf und ist vor allem bekannt wegen der Beiz im Erdgeschoss, dem Café Mohrenkopf. Nun ist rund um diesen Namen eine politische Diskussion entbrannt. Die Stadt Zürich will deshalb die Beiz umbenennen, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. In welche Richtung es gehen soll, ist unklar. Die Rede ist von «Schokokuss» oder «Schaumkuss». Erst vor zwei Jahren sah sich die Basler Fasnachtsclique «Mohrekopf» mit dem gleichen Vorwurf konfrontiert. Die Guggenmusik, die seit 1954 unter diesem Namen aufspielt, wies jegliche Rassismus- und Diskriminierungsvorwürfe von sich und beharrte darauf, weiterhin als «Mohrekepf» bei den Fasnachtsveranstaltungen mitzulaufen.

Der Höhepunkt der Rassismusdebatte: Ein «Komitee gegen rassistische Süssigkeiten» das Hersteller auffordert, Süssigkeiten politisch korrekt zu bezeichnen. Das ist einfach nur lächerlich! Dass man sich im 21. Jahrhundert gegenüber Andersdenkenden oder andersfarbigen Menschen nicht abfällig oder rassistisch äussert, dürfte wohl den meisten klar sein. Jetzt aber Lebensmittel- und Namensbezeichnungen, die schon lange bestehen, in die Rassismusdebatte einzubeziehen, geht eindeutig zu weit. Sonst müsste man auch Zigeunerschnitzel, Zürcher Geschnetzeltes oder Thai-Curry auf der Speisekarte streichen.

Walter Bellwald

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