Umweltverbände wollen Kleinwasserkraftwerk in Blatten verhindern

«Innerer Talbach ist nicht vergleichbar mit dem Gonerli»

Hans Peter Lehner hat für das Veto der Umweltverbände zum Kleinkraftwasserwerk in Blatten kein Verständnis, zumal die Gemeinde nur wenige Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung hat.
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Hans Peter Lehner hat für das Veto der Umweltverbände zum Kleinkraftwasserwerk in Blatten kein Verständnis, zumal die Gemeinde nur wenige Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung hat.
Foto: zvg

Quelle: 1815.ch /zen 04.10.14 4
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WWF, Pro Natura und der Schweizer Landschaftschutz wollen ein bereits bewilligtes Kleinwasserkraftwerk im Lötschental verhindern. Sehr zum Erstaunen der Projektverantwortlichen.

Via Medien kündigten die drei Umweltverbände am Freitag an, gegen das Kleinwasserkraftwerk Breithorn-Fafleralp Beschwerde einzureichen und verlangen, dass auf den Bau verzichtet wird. Hinter dem Projekt steht die KW Breithorn-Fafleralp AG. «Im Jahr 2011 erfolgte die Anmeldung zum KEV, worauf mit den Planungsarbeiten begonnen wurde. Nun liegt die Bewilligung vor, im Frühjahr 2015 ist der Baubeginn geplant», sagt Hans Peter Lehner, VR-Präsident der AG und Gemeinderat von Blatten. Das 6,7 Millionen teure Projekt soll nach Inbetriebnahme 5,8 Gigawatt Strom produzieren.

Da 96 Prozent des Gemeindegebietes von Blatten unter Schutz stehen, bot sich für die Realisierung des Kleinkraftwerks lediglich der Innere Talbach nördlich der Fafleralp an. «Weil der Tourismus für die Gemeinde Blatten wichtig ist, war von Anfang an klar, dass der Innere Talbach der Fafleralp nur massvoll zur Energiegewinnung genutzt wird und keinesfalls gänzlich trockengelegt wird», sagt Lehner. Gleichwohl aber muss sich das Kraftwerk in Anbetracht der grossen Investition rechnen.

Zustimmung der Natur- und Heimatschutzkommission

Weil ein kleiner Teil der Druckleitung sowie die Zentrale im BLN- Gebiet stehen, war die Zustimmung der Eidgenössischen Natur- und Heimatschutzkommission vonnöten. Diese kam zum Schluss, dass das Projekt mit den Schutzzielen des BLN-Gebietes vereinbar ist. «Die Kommission verlangte lediglich eine Einhaltung einer der jeweiligen Wassermenge angepasste Restwassermenge.»

Gleichzeitig aber suchte man das Gespräch mit dem WWF. «In einer Zustimmungserklärung vom Februar 2013 hielten wir unter anderem fest, dass das KW ausgehend von einer Ausbauwassermenge von 1500 Litern pro Sekunde einer Einschränkung auf 900 Liter zustimmt», so Lehner. Die Zustimmungserklärung kam infolge einer Einsprache der Umweltverbände und einer Einigungsverhandlung Anfang 2013 zustande.

Kleinwasserkraftwerk am falschen Ort

Diese Zugeständnisse befriedigten die Umweltverbände offensichtlich nicht: Sie machen ihre Drohung, gegen eine Nutzung des Inneren Talbach rechtlich vorzugehen, wahr. «Ein einmaliges und bisher unversehrtes Tal würde für wenig Strom geopfert, der erst noch dann anfällt, wenn sowieso Stromschwemme herrscht», sagt Kurt Eichenberger, Geschäftsführer des WWF Oberwallis.

Nur höherwertige nationale Interessen rechtfertigten einen Kraftwerkbau an dieser Stelle. «Für ein kleines Wasserkraftwerk, das lediglich 0,15 Promille des Schweizer Stroms aus Wasserkraft erzeugen würde, kann kein nationales Interesse geltend gemacht werden. Zudem käme der Bau einem Ersteingriff in ein herrliches Tal gleich», argumentiert Eichenberger. Das Bundesgericht habe mit seinem Urteil vor einem halben Jahr im Falle des Gonerliwassers in der Gemeinde Obergoms klar gemacht, dass es solche Täler zu schützen gelte.

Versorgungssicherheit

Lehner hat wenig Verständnis für diese Kritikpunkte. «0,15 Promille des Schweizer Stroms mag aus Sicht des WWFs richtig sein. Aber für das Dorf Blatten bedeutet die gleiche Menge Strom Versorgungssicherheit.» Wochenlange Stromausfälle nach Lawinenniedergängen wie 1999 oder Unwettern im Jahr 2011, wie sie in Blatten schon vorgekommen seien, würden wohl auch kaum nach dem Gusto der Bewohner der Stadt Zürich sein.

Er kann sich auch nicht erklären, wieso der WWF mit einer von ihr vorgeschlagenen Variante keine Einsprache gemacht hat. Eine Variante, welche baulich die gleichen Auswirkungen verursachte hätte, aber wirtschaftlich nicht mehr tragbar gewesen wäre.

Auf der anderen Seite aber werde aus Braunkohle gewonnener Strom, der aus Deutschland billig in die Schweiz importiert werde, toleriert. «Durch den CO2-Ausstoss trägt diese Art von Strom zur Klimaveränderung bei. Das wiederum begünstigt Unwetter, wie etwa dasjenige im Oktober 2011 im Lötschental.» Produktion von sauberem Strom aus Wasserkraft sei aus dieser Sicht durchaus ein Beitrag zur Energiewende, wenn auch ein kleiner.

Nicht vergleichbar mit dem Gonerli

Lehner wird auch den Eindruck nicht los, «dass sich der einflussreiche und finanzstarke WWF eine kleine Gemeinde ausgesucht hat, um mit der Verhinderung eines an sich sinnvollen Projektes in den Medien zu punkten». Zudem könne die Situation beim Inneren Talbach nicht mit derjenigen der Gonerli verglichen werden.

«Wer das Bundesgerichtsurteil liest, weiss, dass dort die einmaligen Kaskaden geschützt werden sollen, alle andern Beschwerdepunkte aber abgelehnt wurden. Bei unserem Projekt liegt aber eine Gutachten der ENHK vor, welches eine eingeschränkte Nutzung erlaubt.» Bewusst verschweige der WWF auch, dass nur ein kleiner Teil des Projekts im BLN-Gebiet zu stehen komme. «Dabei wird die Druckleitung erst noch unterirdisch verlegt. Sichtbar ist lediglich die Zentrale.»

04. Oktober 2014, 10:00
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Kommentare

  • Patrick @Wallis - vor 12 Jahre ↑0↓2

    Man sollte wenn schon die Zentralen und Wasserfassungen so schön wie möglich färben müssen, damit sie nicht so betongrau die Landschaft verschandeln wie beim KW äusseres Faflertal! Die Beeinträchtigung des äusseren Faflertals ist für mich sehr einschneidend, ich liebe die unberührte Natur mit Lärchenwäldern. Jetzt will man dem inneren Faflertal dasselbe antun! Das wäre schlimm.

    antworten

  • Igel - vor 12 Jahre ↑0↓1

    Da will wieder mal eine Gemeinde grosse Kasse machen mit der Kostendeckenden Einspeisevergütung, auf Kosten der Stromkunden. Endlich gibt es Einsprachen gegen solche schwachsinnigen Projekte. Muss der allerletzte Bach verbaut werden? Versorgungssicherheit ist mit dem Kraftwerk nicht zu erreichen, die Hauptproduktion ist im Sommer und im Winter wenn der Strom gebraucht wird, nix. Träumer ihr.

    antworten

    • Patrick - vor 12 Jahre ↑0↓1

      Die Versorgung sollte ja schon durch das KW im äusseren Faflertal sichergestellt sein!

  • Baer - vor 12 Jahre ↑2↓0

    Werft diese grünen Sektierer aus dem Land!
    Mit den Schutzzonen haben wir uns kurzfristig Subventionen beschafft, langfristig aber fremde Herren in unser Land geholt.

    antworten

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