Ultrarad | Simon Ruff, Stefan Anthenien und Hans-Peter Brunner können trainieren, wissen aber nicht genau wofür

Trainingsfahrt ins Blaue

Früh unterwegs. «Im Moment ist mein Tag durchgeplant und getaktet», so Simon Ruff – Trainingsfahrten sind nur an Randzeiten möglich.
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Früh unterwegs. «Im Moment ist mein Tag durchgeplant und getaktet», so Simon Ruff – Trainingsfahrten sind nur an Randzeiten möglich.
Foto: mengis media/Andrea Soltermann

Quelle: WB /alb 0

Radfahrer haben in Zeiten von Corona einen Vorteil: Sie können wenigstens trainieren. Dennoch stellt es alle Pläne komplett auf den Kopf. Und es trifft nicht jeden gleich.

Ärgerlich ists vor allem für jene, die den Höhepunkt in der ersten Saisonhälfte gesetzt haben. Wie Hans-Peter Brunner. Am 13. März sass er auf gepackten Koffern, wollte ins Trainingslager nach Spanien. «Zwei Stunden vor der geplanten Abreise wurde alles abgeblasen. Im Nachhinein bin ich froh darüber», so der Geschäftsführer des Fitness Palace in Brig. «Ich hätte da unten eh keine ruhige Minute gehabt.»

Brunner war im Februar schon zwei Wochen in Thailand gewesen und ist entsprechend überzeugt: «Der Fahrplan hätte gestimmt.» Ende April wollte er das «Race across Italia» fahren, das in diesem Jahr als Europameisterschaft ausgeschrieben war. Daran ist natürlich nicht mehr zu denken. Und auch das «Race across Slovenia» von Ende Mai hat er abgehakt. Es bleibt die «Tortour», wo er aber jeweils «nur» die kleine Strecke fährt, und das zu einem guten Zweck. «Ich bin jeden Tag auf dem Rad und mache etwas. Aber das dient eher dazu, die Form zu erhalten, statt etwas aufzubauen. Ich habe die Saison mehr oder weniger abgehakt. Im Moment haben ganz andere Dinge Priorität», betont Hans-Peter Brunner.

«Ich habe die Saison mehr oder weniger abgehakt»
Hans-Peter Brunner

Es bleibt die Hoffnung auf die Tortour

Just als Stefan Anthenien am Freitag vor zwei Wochen den ersten Intensiv-Trainingsblock abgeschlossen hatte, wurde das erste Rennen abgesagt. Das «Race across Slovenia» und das 24-Stunden-Rennen von Kelheim (De) waren seine Ziele der ersten Saisonhälfte. Es bleibt die Hoffnung auf die Tortour (24. bis 26. August), wo er im letzten Jahr den dritten Gesamtrang erreicht hatte. «Ich bin froh, wenigstens noch trainieren zu können. Da ich auch sonst fast ausschliesslich allein unterwegs bin, gibts da keine grosse Änderung. Aber die Motivation leidet natürlich schon, wenn man kein Ziel hat», so der Baltschiedner. «Es fehlt einfach der Termin, an dem ich ‹ready› sein muss.» So geht es im Moment lediglich darum, eine gute Basis zu legen. «Du kannst nichts Intensives machen, wenn du keinen Horizont siehst, wenn kein Rennen in Sicht ist», so der 41-Jährige.

«Du kannst nichts Intensives machen, wenn kein Rennen in Sicht ist»
Stefan Anthenien

Ruffs Planung sieht ein bisschen anders aus

Von den Rennabsagen in der ersten Saisonhälfte weniger betroffen ist Simon Ruff. «Vom Trainingsaufbau ohne ein Trainingslager hätte es mir ohnehin nicht gereicht, ich wäre nicht bereit für ein langes Rennen», so der in Visp wohnhafte Törbjer. Der 37-Jährige hat sich beruflich verändert, ist neu Studiengangleiter der Wirtschaftsingenieure an der Fernfachhochschule Schweiz «FFHS». Da ist er von den Arbeitszeiten her flexibel, aber er absolviert im Moment noch die Weiterbildung «MAS Industrie 4.0». Dabei gehts darum, das Potenzial der digitalen Transformation kennenzulernen und moderne Technologiekonzepte in Unternehmen anzuwenden. Das ist eine ganz schöne Belastung, dazu kommen das Training, ein Wohnungsumbau in St. Niklaus und die Familie, wobei seine Mutter an den Arbeitstagen seiner Frau wegen des Corona­virus nun nicht einmal beim Kinderhüten mithelfen kann. «Im Moment ist mein Tag durchgeplant und getaktet», so Simon Ruff. Längere Ausfahrten gibts am Wochenende, sofern keine Online-Schule ist. Trainingausfahrten während der Woche sind zeitlich beschränkt, damit will er zumindest mal eine gute Basis legen. Ab Juni aber will er dann trainingsmässig «eine stecku», um bis zur Tortour in Topform zu sein. «Wenn ich teilnehme, dann will ich auch bereit sein, sonst machts keinen Spass», so der zweifache Weltmeister (2011 und 2018) im Ultraradfahren.

Der Sieg bei der Tortour ist immer noch sein grosses Ziel, das er mehrfach nur ganz knapp verpasst hat. Im letzten Jahr musste er passen. Er hatte eine Entzündung am Gesäss, die er sich entfernen lassen musste. Die Wunde ist dann weniger schnell verheilt als erhofft und so war die Saison gelaufen, bevor sie richtig angelaufen war.

Das Coronavirus sorgt zwar für Einschränkungen. So sind etwa auch Besuche im Fitness-Center Christopark in Visp im Moment nicht möglich. Aber Simon Ruff hofft, dass zumindest in der zweiten Saisonhälfte wieder Rennen gefahren werden können. Und dass er bis dann – trotz allem – auch in der gewünschten Form ist. Es könnte zu einem spannenden Oberwalliser Duell gegen Stefan Anthenien kommen…

Alban Albrecht

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