Laufsport | Das Coronavirus sorgt für Verunsicherung in der Laufszene – es bringt die Planung der Läufer durcheinander – die Organisatoren bangen um die Durchführung der Anlässe

Noch hat keiner der grossen Events aufgegeben

Beliebt. Laufanlässe wie der Klassiker Siders–Zinal sind auch für den Tourismus von Bedeutung.Fotos Keystone/mengis media/zvg
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Beliebt. Laufanlässe wie der Klassiker Siders–Zinal sind auch für den Tourismus von Bedeutung.Fotos Keystone/mengis media/zvg
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Was bringt die Saison? Martin Anthamatten, Andreas Manz und Jakob Herrmann (von links) sind zum Abwarten gezwungen. Der Renndirektor des Swiss Alps hält 
das Magazin «Ultrarunning World» in den Händen, bei dem es «sein» Lauf auf die Titelseite geschafft hat.
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Was bringt die Saison? Martin Anthamatten, Andreas Manz und Jakob Herrmann (von links) sind zum Abwarten gezwungen. Der Renndirektor des Swiss Alps hält 
das Magazin «Ultrarunning World» in den Händen, bei dem es «sein» Lauf auf die Titelseite geschafft hat.
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Quelle: WB /alb 0

Der Laufsport boomt. Auch im Oberwallis. Verschiedene grosse Anlässe konnten sich in den letzten Jahren eta blieren. Dank grosser Wertschöpfung sind diese auch für den Tourismus von einiger Bedeutung. Doch nun sorgt das Coronavirus für grosse Verunsicherung.

Alban Albrecht

Früher war alles ziemlich einfach und übersichtlich. Es gab Stadt-, Berg- und Geländeläufe und die Namen brachten klar zum Ausdruck, was Programm war.

In der Zwischenzeit gibts Trailläufe, zum Teil ultralang, dann gibts Skyraces, die zuweilen wirklich fast bis in den Himmel führen.

Ziemlich vereinfacht kann man sagen: Wenn der Strassenläufer den Gehsteig verlässt, wird er zum Trailläufer. Entgegen der Meinung, dass Trailrunning etwas Extremes ist, zählt somit bereits so mancher Lauf um den See zur Trendsportart. Ein Ultralauf wiederum geht über die klassische Marathondistanz hinaus. Manche sprechen erst ab 50  km von einem Ultralauf. Nach oben ist fast alles offen. Beim SwissPeaks etwa müssen 360 Kilometer zurückgelegt werden. Am Stück, versteht sich.

Immer länger
und immer höher hinaus

2013 wurde die International Trail Running Association (ITRA) gegründet. Sie versteht sich als Interessenvertreter, sie setzt sich für die Sicherheit bei den Läufen ein und sie organisiert Wettkämpfe auf allen Stufen. So auch die Trail World Championships, die seit 2007 stattfinden, zunächst alle zwei Jahre, seit 2016 jedes Jahr. Seit 2015 ist Trailrunning eine Disziplin des Internationalen Leichtathletik-Verbands.

Damit nicht genug. Mit dem Skyrunning wurde in den letzten Jahren noch eine Stufe draufgesetzt. Skyläufe finden im alpinen Gelände statt und die Disziplinen sind stark dem Skialpinismus nachempfunden – dass der Gründer Marino Giacometti ein Italiener ist, ist kein Zufall. So gibt es Verticals (kurze, sehr intensive Aufstiege), aber auch Sky­läufe (20 bis 49  km) und Sky-Ultraläufe (50 bis 99  km). Die Szene hat sich zur International Skyrunning Federation zusammengeschlossen. Diese organisiert die Skyrunner World Series (der Matterhorn Ultraks zählt dazu), aber auch Weltmeisterschaften. Bei den Jugendweltmeisterschaften 2019 hat die Fiescherin Alessandra Schmid gleich drei Titel gewonnen (Sky, Vertical und Kombination).

«Die Zahl der
Anmeldungen ­sollte jetzt bei 280 sein, wir haben aber zurzeit nur 209 Teilnehmer»

Die Übergänge freilich sind fliessend. Grundsätzlich gehts ja immer ums Gleiche: ums Laufen. Aber es ist klar, dass Skyrace oder Trailrun etwas trendiger tönt als Geländelauf. Mit modernen Namen, attraktiven Strecken und neuen Herausforderungen wurde quasi die «Marketing-Maschinerie» angeschoben, das Laufen ist modern geworden. «Grundsätzlich ist es schon so, dass jeder versucht, sich etwas vom Kuchen abzuschneiden», betont denn auch Martin Anthamatten, der beste Oberwalliser Bergläufer der letzten Jahre. Trailrunning und Skyrace haben der Szene viel Schub gegeben, dabei sind sie an sich überhaupt nichts Neues. Es gibt höchstens Anpassungen. Bergläufe gehen nicht mehr «nur» von unten nach oben, sondern kehren oft auch an den Start zurück. Das bedingt, dass man auch ein guter Bergabläufer sein muss. «Wenn man so will, dann war Siders–Zinal der erste Traillauf. Die Verticals sind in den letzten Jahren stark aufgekommen. Aber der Berglauf Fully–Sorniot ist nichts anderes – und den gibt es schon seit 35 Jahren», so Anthamatten.

Oberwallis profitiert
von Inputs von aussen

Auch das Oberwallis kann so einiges bieten. Erstaunlicherweise kommt der organisatorische Anstoss in ­vielen Fällen von auswärts. Der Swiss Alps 100 etwa wird von Jakob Herrmann organisiert, einem nach Amerika ausgewanderten Heimweh-Oberwalliser. Beim Ultra Trail Monte Rosa gibt Lizzy Hawker den Ton an, eine Engländerin, die sich schwer in unsere Berge verguckt hat. Beim Zermatt Ultraks schliesslich bringt eine welsche Event- und Werbefirma ihre grosse Erfahrung mit ein.

Können die Läufe
überhaupt stattfinden?

Allen gemein ist: An sich gehts allen gut, aber sie haben Sorgen. Die diesjährigen Austragungen sind zwar noch ziemlich weit weg, ob sie tatsächlich durchgeführt werden können, ist aber wegen des Coronavirus mehr als ungewiss. International ist zu beobachten, dass immer mehr Läufe abgesagt werden, zum Teil auch schon solche, die erst im Juli oder noch später stattfinden.

Die Oberwalliser Organisatoren halten sich im Moment noch zurück. Sie verweisen auf die Massnahmen des Bundes, die bis Mitte April ihre Gültigkeit haben. Man will zumindest so lange mal warten, die Situation beobachten und dann gegebenenfalls reagieren.

73 Prozent weniger Besucher auf der Webseite

Beim Swiss Alps 100 gehen zwar «nur» rund 300 Läuferinnen und Läufer an den Start, aber die kommen aus aller Herren Länder. Ob das bis Mitte August möglich sein wird, ist fraglich. Die Verunsicherung geht natürlich auch bei den Teil­nehmern um. «Unsere Webseite hat 73 Prozent weniger Besucher. Die Anmeldezahl müsste jetzt bei 280 sein, wir haben aber zurzeit nur 209 Teilnehmer aus 23 Ländern», so Jakob Herrmann, Renndirektor des Swiss Alps 100. Es ist klar, dass die Läufer im Moment zunächst mal abwarten, bis sie sicher(er) sein können, dass der Anlass auch tatsächlich durchgeführt werden kann. «Ich selbst denke, dass der Lauf stattfinden wird, aber die Situation ist sehr dynamisch und verändert sich täglich. Im Moment ist es unmöglich, eine Vorhersage zu machen, was in den kommenden Monaten passieren wird», ist sich Jakob Herrmann bewusst.

Schwierige Situation
auch für die Läufer

Und wie gehen die Läufer mit der Situation um? Andreas Manz etwa bestätigt, dass die Situation «schwierig ist für den Kopf». Zwar ist der Baltschiedner froh, dass man überhaupt nach draussen darf und trainieren kann, aber ein richtig gezieltes Training ist es natürlich nicht. «Ich versuche, die Form zu halten, trainiere in etwa gleich lang, aber halt weniger intensiv. Wenn es langsam wieder losgeht, wenn die Veranstaltungen auf ‹Grün› schalten, will ich bereit sein, damit ich mit gezieltem Training noch den ‹Feinschliff› holen kann», so Manz, der im letzten Jahr beim Swiss Alps 100 die Strecke über 100  km für sich entschieden hat. Die Titelverteidigung bei diesem Lauf wäre denn auch das grosse Saisonziel. Ein anderes musste er bereits abschreiben. Der Scenic Trail von Tesserete im Tessin, der Mitte Juni hätte stattfinden sollen, musste abgesagt werden. «Auch für den Ultra Trail Eiger von Mitte Juli könnte es knapp werden», ist sich Andreas Manz bewusst.

«Ich versuche
die Form zu halten. Trainiere in etwa gleich lang,
aber halt weniger
intensiv»

Andreas Manz

Ziemlich gelassen nimmt Martin Anthamatten die Situation. Dass die Saison für die Skialpinisten bereits Anfang März zu Ende ging, war natürlich hart. «Wir gehen auch nicht mehr auf die Ski, denn wir wollen kein Risiko eingehen», so der Zermatter. Zusammen mit Lebenspartnerin Victoria Kreuzer ist im Moment vor allem aktive Erholung angesagt. Wenn die Pause zwischen Skialpinismus und Berglauf für einmal ein bisschen länger ist, kann das durchaus auch ein Vorteil sein. Die Rennen sind im Moment noch kein Thema, da sie ohnehin erst in der zweiten Saisonhälfte stattfinden werden. «Es macht keinen Sinn, wenn man jetzt rumstudiert, ob die stattfinden werden oder nicht», betont Martin Anthamatten. Aber der 35-Jährige verspricht: «Wenns losgeht, sind wir parat...»

Alban Albrecht

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