Tischtennis | Remo Keller und Jan Elsig – zwei Oberwalliser beim TTC Siders, die unterschiedlicher nicht sein könnten

Der Routinier und der junge Draufgänger

Will hoch hinaus. «Die 1. Liga habe ich so langsam gesehen, aber die NLB kommt wohl noch zu früh. Das ist schon ein anderes Niveau», so Jan Elsig.
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Will hoch hinaus. «Die 1. Liga habe ich so langsam gesehen, aber die NLB kommt wohl noch zu früh. Das ist schon ein anderes Niveau», so Jan Elsig.
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Viel erlebt. «Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem es nicht mehr reicht, dann werde ich halt eine Stufe tiefer gehen und dort weiterspielen», so Remo Keller.Fotos mengis media/Andrea Soltermann
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Viel erlebt. «Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem es nicht mehr reicht, dann werde ich halt eine Stufe tiefer gehen und dort weiterspielen», so Remo Keller.Fotos mengis media/Andrea Soltermann
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Quelle: WB /alb 0

Zwischen Remo Keller und Jan Elsig liegen nicht weniger als 42 Jahre. Der eine hat schon (fast) alles erlebt, der andere steht ziemlich am Anfang der Karriere. Beide sind dort, wo alle guten Walliser Tischtennisspieler landen – beim TTC Siders. Doch das Erfolgsmodell hat auch seine Grenzen.

Alban Albrecht

Remo Keller schlägt sich mit einer Verletzung herum. Das Knie «zwickt» manchmal. In dieser NLB-Saison hat er deshalb nur zwei, drei Spiele bestritten. Wer deshalb aber schon das Ende der Karriere herbeireden würde, kennt Remo Keller nicht. Denn das ist – durchwegs im positiven Sinne gemeint – ein Verrückter, ein Tischtennis-Besessener. 59 Jahre alt ist er mittlerweile, spielt aber immer noch wacker in der NLB mit. «Solange ich Spass habe und mithalten kann, mache ich weiter. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem es nicht mehr reicht, dann werde ich halt eine Stufe tiefer gehen und dort weiterspielen», so Remo Keller. Von Aufhören weit und breit nichts in Sicht.

«Er muss
die Übungen
konsequent durchziehen.
Immer und
immer wieder»

Was beim TTC Siders der Vorteil ist: Der Druck, immer spielen zu müssen, ist nicht mehr da. «Wir sind fünf, sechs Spieler auf gutem Niveau, wenn ich mal nicht Zeit habe wegen der Arbeit oder nicht ganz fit bin, dann kann ein anderer einspringen. In Stalden war das ganz anders», so Keller.

Aufgewachsen ist er in Brugg im Kanton Aargau. Sein Vater nahm ihn mit in den Tischtennis-Klub – und er blieb «hängen». Das war mit zehn Jahren, vier Jahre später spielte er bereits in der NLB. Talent war reichlich vorhanden. Sein Pech: Der TTC Brugg hatte «nur» ein NLB-Team, höher gings nicht. «Um voll auf Tischtennis zu setzen, hätte ich ins Ausland wechseln müssen. Das wollte ich nicht», so Remo Keller. Er war mehrfacher Schweizer Meister bei der Jugend, holte aber auch Elite-Gold im Mixed. Mit 28 Jahren wechselte er zum TTC Luzern, spielte in der NLA und auch im Europacup.

Mit 31 dann der grosse Bruch: Mit seiner Ex-Frau, einer Oberwalliserin, zügelte er nach Visp, das Tischtennis rückte in den Hintergrund. Doch irgendjemand gab dem TTC Stalden einen Tipp und der nutzte die Gunst der Stunde. «Er kam zu einem Probetraining, niemand kannte ihn. Dann hat er uns die Bälle nur so um die Ohren geschlagen, er hat uns richtig vorgeführt», erinnert sich Pius Abgottspon, zu der Zeit eine der treibenden Kräfte im TTC Stalden. Keller löste im Brückendorf eine Begeisterung aus. Mit Bostjan Krempus, Fabian Lenggenhager und Andreas Bumann stieg er in die NLC auf, wo man sich jahrelang halten konnte, mehrmals konnte man gar die Aufstiegsspiele bestreiten, klopfte an die Tür zur NLB an. «Wenn man gesehen hat, was wir auslösen konnten, war das schon eine spezielle Zeit», so Keller.

Doch er hatte noch nicht genug. Wollte noch einmal die NLB erleben und wechselte deshalb zum TTC Siders. Kellers Traum ging in Erfüllung: Keller spielt tatsächlich nochmals NLB – und das mit 59 Jahren! Wie geht das, in einer Sportart, in der die Geschwindigkeit ein sehr massgebender Faktor ist? «Eigentlich kann ich mir das selber nicht erklären. Klar brauchts ein gutes Handgelenk und auch die Routine hilft», so Keller. Aber er gibt auch zu: «Ich habe schon an Schnelligkeit eingebüsst, es ist nicht mehr wie vor zehn Jahren. Vor allem, weil ich zuletzt auch nicht mehr ganz so viel trainiert habe, da geht auch die Sicherheit zu einem Teil verloren.»

«Es ist krass,
was er alles
erreicht hat»

Jan Elsig über Remo Keller

Jan Elsig findet es «krass, was Remo alles erlebt und erreicht hat. Das ist schon beeindruckend». Er selber ist in Susten aufgewachsen. Auf dem Pausenplatz spielte er Tischtennis und fand Gefallen daran. In der 6. Klasse ging er zum TTC Gampel, nach drei Jahren wechselte er nach Siders, «um in einer höheren Liga zu spielen». Warum Tischtennis und nicht Fussball? «Tischtennis ist ein Einzelsport, das mag ich. Ich bin lieber für mich selber verantwortlich.»

Drei Jahre hat er nun in der 1. Liga gespielt, «und so langsam habe ich das gesehen». Für den 17-Jährigen ist es in der Tat Zeit für einen Wechsel. Ideal wäre die NLC, dafür aber müsste eines der beiden Siderser 1.-Liga-Teams aufsteigen. Doch das Coronavirus hat den Meisterschaftsbetrieb gestoppt. Was, wenn alles bei der alten Ligaeinteilung bleibt? «Dann müsste Jan Elsig meiner Meinung nach ins NLB-Team integriert werden. Man muss ihn pushen», ist Fabian Lenggenhager überzeugt. Elsig selber gibt sich zurückhaltend. «Ich muss gegen stärkere Gegner spielen, um Fortschritte machen zu können. Die NLB aber käme wohl noch zu früh», ist sich der 17-Jährige, der das Kollegium in Sitten besucht, bewusst.

So oder so: Jan Elsig hätte liebend gerne mehr gleichaltrige Gegner, die ihn im Training fordern würden. Der TTC Siders ist zwar ein Erfolgsmodell, hier aber stösst er an Grenzen. Im NLB-­Team sind alle über 40 Jahre alt, starke Nachwuchsspieler hingegen sind (noch) Mangelware. Elsig geht in den Ferien schon mal nach Frankreich in ein Lager. «Vom Training her sind das schon zwei Welten», so der 17-Jährige.

Remo Keller kann verstehen, dass Jan Elsig den Vergleich mit Gleichaltrigen vermisst. «Das wäre sehr fördernd und einfacher. Aber es geht auch so. Es gibt Übungen, die man halt knallhart durchziehen muss», betont der Routinier. Tischtennis ist zu einem guten Teil «Drill», in dem man den gleichen Bewegungsablauf immer und immer wieder machen muss. «Eine Viertelstunde nur Anspiele, Übungen mit dem Roboter oder einem schwächeren Spieler nur auf die Forehand spielen», nennt Keller als Beispiele. «Der Ball muss übers Netz, 50-mal, 100-mal, bis man den Ball wie im Schlaf spielen kann. Das gibt Sicherheit. Es ist extrem, was das ausmacht», ist Keller überzeugt.

Und wie sähe ein Duell der beiden aus? «Ich denke, so langsam überhole ich ihn», gibt sich Jan Elsig selbstbewusst. Keller nimmts gelassen. «Das ist der Lauf der Zeit. Toll, kommt jemand nach.»

Aber kampflos wird er das Feld nicht räumen…

Alban Albrecht

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