Fussball | Update: Interne Lösung gefunden
Sitten-Trainer Gabri entlassen – Maurizio Jacobacci übernimmt

Der bisherige Sittener U21-Trainer Maurizio Jacobacci folgt auf Gabri.
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Gabri bei der Präsentation als neuer FC-Sitten-Trainer. Sein Amt hatte er nur drei Monate inne.
Foto: Walliser Bote
Beim FC Sitten kommt es zum nächsten Trainerwechsel: Der Spanier Gabri muss zwei Tage nach der 1:3-Niederlage im Startspiel zur Rückrunde gegen die Grasshoppers gehen. Er wird ersetzt durch den bisherigen U21-Trainer Maurizio Jacobacci.
Es war von Beginn weg eine Idee, die zum Scheitern verurteilt war. Als Sittens Präsident Christian Constantin im vergangenen Oktober die Nachfolge des entlassenen Paolo Tramezzani regeln musste, machte er falsch, was falsch zu machen möglich war. Er vertraute die Aufgabe, eine Gruppe von individuell durchaus guten Spielern zu einer Mannschaft zu formen, einem Trainer an, der über keine Erfahrung im Profi-Fussball verfügte und der sowohl als Spieler wie auch als Trainer im Mikrokosmos des FC Barcelona gross geworden ist. Sprich: fussballerisch, atmosphärisch und wirtschaftlich im puren Gegenteil zum FC Sitten. Oder: vom Tiqui-taca der katalanischen Junioren-Abteilung zum Abstiegskampf der Schweizer Super League. Das konnte für Gabri nicht gut kommen.
Es kam dann nicht nur nicht gut, es wurde sogar sportlich verheerend unter Gabri. Als der 38-jährige Katalane kam, war der FC Sitten Siebter mit vier Punkten Vorsprung auf den Tabellenletzten FC Lugano. Acht Spiele und sechs Niederlagen später ist Sitten am Tabellenende klassiert, abgeschlagen mit sechs Zählern Rückstand auf den FC Luzern. Gabri gab dem Team keine Identität, dafür hinterlässt er ein organisatorisches Chaos, das 22 Gegentore begünstigte, sowie atmosphärische Störungen. In den turbulenten Spätherbsttagen musterte Gabri sieben Spieler aus.
Nun also muss der 55-jährige Jacobacci den ersten Abstieg seit 2002 (damals war es eine Zwangsrelegation) verhindern. Immerhin weiss der Italo-Berner, worauf er sich einlässt. Nicht nur weil er seit letztem Sommer Nachwuchstrainer in Sitten ist. Jacobacci war im Wallis Anfang 2008 schon einmal eingesprungen. Es war damals eine Phase von acht Spielen, die damit endete, dass der FC Sitten zur Lachnummer wurde. Jacobacci war der Strohmann für den lizenzlosen Charles Rössli. Als er mehr Verantwortung wollte, aufbegehrte und gegenüber Medien sagte, es sei für ihn schwierig, in der Öffentlichkeit taktische Ideen zu verteidigen, welche er nicht selber getroffen habe, war das Tischtuch rasch zerschnitten. Constantin trennte sich von beiden, von Rössli und von Jacobacci, und holte den wenige Monate zuvor freigestellten Alberto Bigon zurück.
Nach dem unwürdigen Intermezzo im Wallis lieferte Jacobacci in der Deutschschweiz, abseits des medialen Fokus, durchaus beachtliche Arbeit ab. Mit Kriens und Schaffhausen stieg er von der 1. Liga in die Challenge League auf und schaffte dort mit beschränkten Mitteln jeweils den Klassenerhalt. Im letzten Frühjahr trainierte er den FC Wil während neun Spielen. Zuvor war er im Herbst 2016 beim FC Wacker Innsbruck engagiert; nach zehn Runden musste er gehen. Und die Frage lautet nun natürlich: Darf er in Sitten länger tätig sein als zuletzt in Innsbruck und Wil?
Der Italo-Bümplizer Jacobacci ist seit 1995 als Trainer tätig. Einen bedeutenden Verein konnte er aber nie trainieren, sieht man von seiner unseligen ersten Zeit in Sitten und von einem dreijährigen Engagement als Co-Trainer der Grasshoppers ab dem Jahr 2000 ab.
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