Gmeiwärch | Am Mountain Cleaning Day halfen Jung und Alt, die Umgebung von Holz und Abfall zu säubern
Frühlingsputz im Skigebiet

Farblich passend. Drittklässler der Primarschule Saas halfen tatkräftig mit – und verloren dabei ihr Lächeln nicht.
Foto: Walliser Bote
Zum neunten Mal fand in Saas-Fee der Mountain Cleaning Day statt. Über 200 Freiwillige halfen bei der Aufräumaktion mit, die Wiesen und Wälder vom Abfall der Wintersaison und den lawinenverursachten Schäden zu befreien.
Im «Dick Waldji» liegen Trümmer der Startrampe des Adrenalin Cups, das Dach des Pistenkontrollhäuschens liegt mitten auf der daneben liegenden Wiese, während der Saison besser bekannt als Anfängerskipiste «Lehboden». «Dieses Jahr sind die Schäden wegen der Lawine im Januar besonders schlimm», stellt der Saaser Michel Bumann fest. Er nimmt als Freiwilliger am Gmeiwärch teil – auch aus persönlichem Interesse: «Ich gehe mit meiner Frau gerne wandern, schon deshalb ist mir die Ordnung wichtig.» Als Einheimischer lege er aber auch Wert darauf, dass die nahende Saisoneröffnung wortwörtlich sauber über die Bühne gehe.
Mit vereinten Kräften für die Nachhaltigkeit
Bereits um 8 Uhr morgens haben sich die Schüler der Primarschule Saas, Mitarbeiter der Saastal Bergbahnen, zahlreiche Anwohner und Feriengäste an der Talstation Felskinn versammelt. Urs Zurbriggen, stellvertretender Geschäftsführer der Saastal Bergbahnen AG, übernahm die Rolle des Koordinators, teilte die rund 200 Freiwilligen in 21 Gruppen ein und wies ihnen ihr Einsatzgebiet zu. Bewaffnet mit Motorsägen, Rechen und Abfallsäcken schwirrten die Gruppen in alle Himmelsrichtungen aus.
Wenn im Frühling der Schnee schmilzt, tauchen die traurigen Souvenirs der Skisaison auf. Manche verwundern mehr als andere: Wie eine Windel in den Wald gelangt ist, ist Schülern wie Lehrpersonen unerklärlich. Nachhaltigkeit sei ein wichtiges Thema im Saastal, erklärt Urs Zurbriggen. «Wir wünschen uns einen verantwortungsvollen Tourismus und wollen so unseren Teil dazu beitragen.» Bis ein Zigarettenfilter abgebaut ist, dauert es rund 15 Jahre. Eine PET-Flasche wird sogar erst nach 500 Jahren abgebaut. Deswegen sei der Mountain Cleaning Day wichtig.
Rechen und pure Muskelkraft
Während Michel Bumann Scherben und Blech des von der Lawine niedergerissenen Pistenkontrollhäuschens zusammenträgt, schleppen der 9-jährige Raphael und seine Klassenkameraden niedergerissene Baumstämme herum und häufen die zusammengerechten Lärchenäste am Strassenrand auf. «Es macht mir Spass – und nicht nur, weil ich nicht im Klassenzimmer sitzen muss», sagt er, während ein verschmitztes Lächeln über sein Gesicht huscht.
Auch die Lehrpersonen erachten den Mountain Cleaning Day als wertvolle Ergänzung zum Schulalltag. Die Schüler könnten dadurch die Auswirkungen der Naturgewalten hautnah betrachten und sich dabei körperlich betätigen – um einiges sinnvoller und vor allem interessanter als eine Schulwanderung. Motivationsschwierigkeiten gäbe es keine, die Schüler packten motiviert mit an und müssten nur selten an ihre ursprüngliche Aufgabe – das Land von Müll und herumliegenden Ästen zu befreien – erinnert werden. Der Wald mit seinen halb niedergerissenen Bäumen sei als temporäre Spielwiese halt schon interessant: ob als Kletterparadies oder improvisiertes Balancierseil. So hallt dann trotzdem ab und zu der Name eines Kindes durch den Lärchenwald.
Abwechslung zum Alltag
Auch Lia-Mara Bösch läuft mit einem der ausgehändigten Abfallsäcke über die «Lehboden»-Wiese, blickt konzentriert auf den Boden und bückt sich hie und da, um Plastikabfälle, Glassplitter und Isolationsmaterial des Pistenkontrollhäuschens aufzuheben. Auf Einladung von Saastal Tourismus hat die Profi-Snowboarderin ihr Konditionstraining in Magglingen unterbrochen, um an der Putzaktion mitzuhelfen. Es sei ihr ein wichtiges Anliegen: «Abfall auf den Pisten liegenzulassen, hat ernste Folgen für die Umwelt. Diese verkleinern wir mit dieser Arbeit. Das Ziel muss aber sein, dass es nach Saisonende nichts mehr einzusammeln gibt.» Es sei auch eine Möglichkeit, Saas-Fee – einem ihrer Trainingsgebiete – etwas zurückzugeben. Zudem ist es eine willkommene Abwechslung zum Trainingsalltag: «Die Beine kann ich auch morgen noch trainieren», sagt sie und lacht.
Erstmals im grossen Stil
Der Mountain Cleaning Day wurde heuer zum neunten Mal unter diesem Namen veranstaltet. Die Aktion ist allerdings viel älter. Früher war der Frühjahrsputz in der Natur einfach das Gmeiwärch und wurde von den Gemeinden der Region unter Mithilfe der Schulklassen übernommen. In diesem Jahr haben Saastal Tourismus und die Saastal Bergbahnen AG erstmals zusammengespannt. Durch die Zusammenarbeit konnte die Aktion entsprechend in grösserem Umfang organisiert werden und rund 210 Freiwillige mobilisieren.
Derweil greift Michel Bumann nach dem nächsten Glassplitter und lässt ihn in den prall gefüllten Abfallsack gleiten. «Genug Leute können wir eigentlich gar nicht sein», sagt er und streckt die Hand nach dem nächsten Stück Abfall aus.
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