Religion | Pfarrer Daniel Rotzer aus Glis ist offen für persönliche Beerdigungen. Er geht aber nicht auf jeden Wunsch ein
«Death Metal passt in keine Kirche»

Blick nach vorn. Pfarrer Daniel Rotzer will die christlichen Werte erhalten, ohne den Anschluss an die Gegenwart zu verlieren.
Foto: MENGIS MEDIA / ANDREA SOLTERMANN
Wallis | Immer weniger Menschen wollen nach ihrem Tod beerdigt werden. Und falls doch, kommt es häufiger zu Sonderwünschen. Pfarrer Daniel Rotzer aus Glis missfällt diese Entwicklung.
Die Kirche steht seit Längerem vor einer komplexen Aufgabe. Wie kann man seinen Prinzipien treu bleiben, ohne die zunehmend progressive und individualisierte Gesellschaft vor den Kopf zu stossen? Konkret: Wie geht man mit den zunehmenden Sonderwünschen bei Beerdigungen um, um eine persönliche Feier für den Verstorbenen mit den kirchlichen Prinzipien zu vereinen?
Pfarrer Daniel Rotzer hat diese Frage zum Anlass für einen Artikel in seinem Pfarrblatt genommen und dabei abschliessend festgehalten: «Die Kirche ist kein Dienstleistungsbetrieb für Privatfeiern, sondern eine solidarische Glaubensgemeinschaft mit Jesus Christus, dem Auferstandenen, im Zentrum.» Rotzer lacht. «Diese Aussage ist zugegeben scharf geschrieben», sagt er in seiner schlicht eingerichteten Wohnung im Gliser Pfarrhaus, «aber die Aussage stimmt.»
Im Wandel der Zeit
Wie Rotzer haben auch Generalvikar Richard Lehner und Pfarrer Paul Martone in Raron Veränderungen in der Beerdigungskultur der letzten Jahre festgestellt. Es handle sich aber um eine gesamtgesellschaftliche Veränderung, schreibt Generalvikar Lehner auf Anfrage. «Schwerpunkte werden anders gesetzt und Werte – auch religiöse – werden zunehmend infrage gestellt und kritisch reflektiert», schreibt er. Das müsse aber nicht per se negativ sein. «Veränderungen können auch dazu führen, dass die Menschen Beerdigungsrituale ernst nehmen und verstehen und nicht einfach gedankenlos das tun, was man immer getan hat», so Lehner weiter.
Viele Menschen seien heute auf Distanz zur Kirche. Die Gründe dafür sieht Pfarrer Rotzer in der zunehmenden Individualisierung der Gesellschaft, die sich nicht nur weniger vollständig verpflichtet, sondern das herausnimmt, was ihr gerade passt. Lehner bestätigt dies: «Sie sind dann präsent, wenn es gilt, Traditionen zu feiern und Wendepunkte des Lebens würdig zu begehen», schreibt er, «und zu diesen Wendepunkten gehört auch der Tod eines Mitmenschen.»
Dennoch entscheiden sich Menschen je länger, je mehr gegen eine Beerdigung oder Beisetzung und falls doch, dann oft nur im engsten Kreis. «Das ist egoistisch», sagt Pfarrer Martone, «man nimmt Mitmenschen die Möglichkeit, sich zu verabschieden.» Für Pfarrer Rotzer ist das problematisch. «Die Kirche ist eine solidarische Glaubensgemeinschaft», sagt er, «bis zuletzt.» Und in dieser Gemeinschaft würden nun einmal gewisse Regeln gelten.
Dass man sich dabei im Wandel der Zeit nicht allzu starr zeigen darf, ist Rotzer bewusst. Er nimmt sich das zu Herzen und habe immer ein offenes Ohr, um eine Beerdigung persönlich zu gestalten. Dennoch zieht er klare Grenzen. «Ich habe kein Problem mit säkularer Musik während einer Beerdigung, aber Death Metal passt in keine Kirche», sagt er und lacht. Denn bei einer Beerdigung handle es sich nicht um eine private Feier, sondern um eine durchaus lebende und lebendige Tradition.
Auch Pfarrer Martone ist nicht grundsätzlich gegen persönliche Elemente. Er besteht aber darauf, sich wieder ins Bewusstsein zu rufen, worum es bei einer Beerdigung eigentlich geht: «Im Zentrum einer Beerdigungsmesse steht nicht der Verstorbene, sondern Jesus Christus der Auferstandene», sagt er.
Kommunikation gewinnt
Problematisch erachtet Rotzer grundsätzlich nicht die zunehmenden «Sonderwünsche» der Verstorbenen, sondern dass er auch schon vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Es komme hin und wieder vor, dass eine Person noch zu Lebzeiten gewisse Wünsche für seine Beerdigung schriftlich festhält; Schreiben, die nach dem Tod auftauchen und den Pfarrer vor delikate Entscheidungen stellen. Denn grundsätzlich seien die Wünsche eines Verstorbenen zu respektieren und im Zweifelsfall höher zu gewichten als jene der Angehörigen.
Dennoch komme es vor, dass die Wünsche mit dem kirchlichen Rahmen nicht vereinbar seien. Dabei sei die Lösung doch eigentlich einfach. Wie in vielen Lebenssituationen heisst die Devise: Kommunikation gewinnt. «Im persönlichen Gespräch mit dem Pfarrer und dem Bestatter erreicht man mehr Akzeptanz und findet gangbare Lösungen.»
Lange Zeit bleibt im Gespräch das laue Gefühl, die Kirche gewichte ihre eigenen Vorstellungen höher als die Wünsche der Verstorbenen. Welches Gewicht hat das Wort der Kirche in dieser Frage, Pfarrer Rotzer? Er muss nicht überlegen. Auf einer hastig hingekritzelten Skizze zeigt sein Finger auf das Wort «Verstorbener» – gleich viel.
Adrien Woeffray
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