Spitalreife Alkoholexzesse im Oberwallis halten sich in Grenzen
«Ausnüchterungszellen in Eyholz bewähren sich»
Der Visper Polizeichef Bruno Romano ist mit den bisher gemachten Erfahrungen zufrieden. Insgesamt über vier Ausnüchterungszellen verfügen die Gemeinden Brig-Glis, Naters und Visp.
Foto: zvg
Vor allem an Wochenenden verzeichnen Polizei, Sanität und Spitalpflegepersonal im Oberwallis vermehrt «Alkoholleichen». Behandelt werden diese im Notfall in Visp oder in einer Ausnüchterungszelle in Eyholz.
Genaue Zahlen zu Einsätzen, die stark alkoholisierte Personen betreffen, existieren bei der Sanität Oberwallis nicht, wie deren Leiter Matthias Volken, sagt: «In unseren Statistiken werden alle Intoxikationen, also Alkohol, Drogen, Medikamente usw., gemeinsam erfasst. Wirkliche ,Alkoholleichen’, welche bewusstlos sind (drittes von vier Stadien der Alkoholvergiftung), transportieren wir geschätzte zehn bis 15 Mal pro Jahr auf insgesamt 2700 Einsätze.» Im Rückblick auf die vergangenen vier bis fünf Jahre seien diese Zahlen stabil.
Fälle, in denen Alkohol eine Rolle spielt, würden sich vor allem an Wochenenden sowie zu Fasnacht und während Open Airs häufen. «Die effektiven Einsätze bei übermässigem Alkoholkonsum sind aber weniger an bestimmte Wochentage gebunden.» Und diese betreffen alle Altersgruppen: «Bei den Älteren handelt es sich oftmals um Personen, welche an einem chronischen Alkoholproblem leiden, bei den Jüngeren sind es eher veranstaltungsbedingte Trinkgewohnheiten, die zu einer Hospitalisation führen.»
Ärztliche Haftfähigkeitsprüfung
Über eine Einlieferung ins Spital entscheiden die Sanitäter vor Ort. «Falls dies nicht der Fall ist, suchen wir nach einer anderen Lösung, falls nötig, in Zusammenarbeit mit der Polizei. Wenn eine Person stark alkoholisiert in Ausnüchterungszellen untergebracht wird, muss zuerst eine ärztliche Haftfähigkeitsprüfung erfolgen, bei der ein Arzt bestimmen muss, ob die Person aus medizinischer Sicht in eine Ausnüchterungszelle gesteckt werden kann», erklärt Volken das Vorgehen.
Von der medizinischen Seite her stellen solche Einsätze für die Sanitäter keine speziellen Anforderungen, obwohl es sich bei einer Alkoholintoxikation um einen Zustand handelt, welcher rasch lebensgefährlich werden kann. «Oftmals wird es aber für die Sanitäter anstrengend, weil es sich häufig um nicht wirklich kooperative Patienten handelt, welche auch öfters in speziellen ‚Lokalitäten/Umgebungen’ geholt werden müssen.»
Spitzenwerte knapp unter fünf Promille
Mit Fällen von übermässig Alkoholisierten ist das Pflegepersonal auf der Notfallstation in Visp vermehrt an Wochenenden konfrontiert. Genaue Statistiken werden auch dort nicht geführt, «denn oft ist es ja nicht nur der Alkoholkonsum, der zur Hospitalisation führt, sondern es sind Verletzungen, die sich der Patient beispielsweise bei einem Sturz zugezogen hat», erklärt Dr. med. Thomas Beck, dem die Leitung des Notfalls in Visp obliegt. Ein bestimmter Promillegrenzwert, der für eine Einlieferung ausschlaggebend ist, sei nicht festgeschrieben.«Die Schwelle ist für jeden Einzelnen unterschiedlich und wird durch das klinische Erscheinungsbild festgelegt. Spitzenwerte liegen so knapp unter fünf Promille», sagt Beck.
Die Patienten werden im Spital Visp überwacht, eventuelle Zusatzverletzungen werden ausgeschlossen und behandelt. «Bei Wunsch werden Schritte eingeleitet, um gegebenenfalls einen Alkoholentzug zu beginnen.» Dass «Alkoholleichen» für das Spitalpersonal in der Pflege «aufwändiger» seien, wie das oftmals angeprangert wird, sei nur selten der Fall.
Aufenthalt von sechs bis zehn Stunden
«Entlastung» für den Notfall Visp bringen seit 1. Oktober 2012 die vier neuen Ausnüchterungszellen der Gemeinden Brig-Glis, Naters und Visp in Eyholz. «Die Zellen wurden seit dieser Zeit zehn Mal benutzt. Je nach Zustand verbleiben die Insassen zwischen sechs und zehn Stunden dort», nennt der Visper Polizeichef Bruno Romano genaue Zahlen. Der Durchschnitt der letzten Jahre liegt bei 35 «Häftlingen».
Ob ein Alkoholisierter in einer Ausnüchterungszelle seinen Vollrausch ausschläft oder im Spitalbett des Notfalls Visp landet, hängt laut Romano vom Alter und dem Zustand der Person ab. «Wenn übermässiger Alkoholkonsum festgestellt wird, wobei der Gesundheitszustand in Frage gestellt wird, ist es ein Fall für die Notfallaufnahme.» Sei der Alkoholisierte aggressiv und gefährde die öffentliche Sicherheit oder stelle zu Hause ein Sicherheitsrisiko dar, werde Ausnüchterungshaft angeordnet. Zur Sicherheit Dritter, aber auch der Person selbst.
500 Franken für die Ausnüchterung
Die Insassen der Ausnüchterungszellen in Eyholz werden permanent von Sicherheitspersonal via Videokamera überwacht. «Ein Insasse wird sowohl physisch wie technisch überwacht. Der Standort der Zellen wurde bewusst so gewählt, dass sich diese in der Nähe der Sanität Oberwallis befinden, so kann im Notfall rasch interveniert werden», sagt Romano.
Laut dem Visper Polizeichef haben sich die gemeinsamen Ausnüchterungszellen der Gemeinden Visp, Brig-Glis und Naters in Eyholz aufgrund der bisherigen Erfahrungen bewährt. «Die örtlichen Polizeireglemente sehen vor, dass man Personen in Ausnüchterungshaft setzen kann, wenn die Lage gegeben ist. Daher brauchen wir solche Räumlichkeiten.» Gratis gibts den Aufenthalt in Eyholz übrigens nicht. Mindestens 500 Franken legen die Insassen für die überwachte Übernachtung auf den Tisch.









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